Rettet das Moz!
Die Mozartschule (Moz) stellt ein besonders wertvolles Denkmal der 50er Jahre Architektur in Würzburg dar. Martin Horsten vom Landesamt für Denkmalschutz zählt das Moz gar zu den bedeutsamsten Nachkriegsschulbauten in Bayern (In: Schmuck: Die Mozartschule, Würzburg 2006).
Mit Protestsprüchen angestrahlte Mozartschule
Nach dem Abriss der im sog. bayerischen Max-Stil errichteten Maxschule und des Naturhistorischen Museums in der 50er Jahren, wurde das Moz 1955/57 gebaut.
Während im Nordosten eher schlichte Gebäudeteile errichtet wurden sind der Mittelteil mit seinem großen Treppenhaus und den vielen Wandbildern sowie die dreiflügelige Anlage zur Hofstraße von besonderem Charme und Eleganz.
Deshalb fand hier im vergangenen Jahr auch ein Teil des Internationalen Filmfests statt. Der Theatersaal wurde in ein 50er Jahre Kino umfunktioniert, Innenhof, Foyer und südliches Treppenhaus zum Ort der großen Kinofeier. In einem weiteren Teil der dreiflügeligen Anlage fanden Kunstperformances mit DJ statt.
Kulturort Moz – kein Abriss des Denkmals!
Die Veranstaltung war damit der richtige Anlass, um für den Erhalt des Denkmals zu protestieren:
Das Gebäude wurde innen im Foyer und außen an den Fassaden mit Hilfe von projizierten Protestsprüchen angestrahlt. Flyer wurden verteilt.
Projektion im Inneren des Gebäudes
Zahlreiche Medien berichteten über die Aktion. Der Bayerische Rundfunk etwa produzierte eine Reportage.
Lernort Moz - Kulturort Moz

Beim Flyer verteilen...
Hintergrund:
Seit Jahren versucht die Stadt das Innenstadtgrundstücke auf dem das Moz steht zu versilbern. 2007 beschloss der Stadtrat schließlich den Abriss des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes, um ein Shoppingcenter im Stil anderer Klein- und Mittelstädte zu errichten.
Aufgrund des bayerischen Denkmalschutzrechts dürfen Gemeinden, die zugleich Unterste Denkmalschutzbehörden sind, aus eigenem Ermessen denkmalgeschützte Gebäude abreißen, selbst wenn sie, wie beim Moz, in einem baulich guten Zustand sind.
Aufgrund einer nach Medienberichten wohl gegen EU-Recht verstoßenden Ausschreibung wurde das Vorhaben der Errichtung des Shoppingcenters kurzzeitig gestoppt.
Durch die unmittelbare Lage am UNESCO-Weltkulturerbe Residenzplatz Würzburg verzögert sich das Vorhaben weiter. Denn bislang hat die Bayerische Schlösserverwaltung unseres Wissens nach eine Vereinbarkeit des städtischen Vorhabens mit dem Weltkulturerbe nicht bejaht. Oberbürgermeister Rosenthal hat jedoch auf dem Neujahrsempfang 2009 des Verschönerungsvereins angekündigt, dass man mit der Schlösserverwaltung kurz vor einer Einigung stehe.
Während der Auftaktveranstaltung von Stadtbild Würzburg in der Aula des Moz
Andere Konzepte:
Stadtheimatpfleger Dr. Steidle hat im Gegenzug zu den Abrissplänen der Stadt ein Konzept vorgelegt, dass der Lage des Moz in der Mitte der wichtigen Kulturorte Welterbe Residenz, Mainfrankentheater, Hochschule für Musik, Jugendkulturzentrum B-Hof sowie Dom und weiteren kirchlichen Kultureinrichtungen Rechnung tragen soll.
Das Moz würde demnach insbesondere auch ein Ort zur Präsentation vielfältiger Kulturangebote, zumal am Moz die Mehrzahl der Würzburgbesucher vorbeilaufen. Schnupper-Schauräume der Museen und Sammlungen könnten Würzburgs selbsterklärtes Logo als Kulturstadt darstellen und Lust auf mehr bzw. Lust auf einen längeren Aufenthalt in der Stadt machen. Die vorhandenen Veranstaltungssäle würden auch die Raumnot der Würzburger Kulturträger mindern.
Ein anderer Aspekt in der Diskussion um das Moz ist die weiterhin ideale Infrastruktur und zentrale Lage des Gebäudes für Bildungseinrichtungen.
Einem befürchteten Aussterben der Innenstadt kann unserer Meinung nach nicht durch das Verlagern von Käuferströmen innerhalb der Stadt oder Region begegnet werden. Vielmehr ist die Lebendigkeit der Innenstadt maßgeblich von Kultur- und allen voran Bildungseinrichtungen abhängig. Im Übrigen sehen wir nicht, weshalb auch eine kommerzielle Nutzung nicht in der alten Schule möglich sein soll. Wie wäre es mit Mozart-Shopping im 50er Jahre Flair? Das wäre dann nicht das zwanzigste eintönige Shoppingcenter in Franken, das aussieht wie alle anderen 19, sondern etwas Besonderes mit stilechter Eleganz.
Alle drei Vorschläge werden vom Arbeitskreis unterstützt.
P.S. Auf einer von Dr. Steidle organisierten Veranstaltung im Rudolf-Alexander-Schröder-Haus wurden bereits Adressen gesammelt von Bürgern, die sich an einem Bürgerbegehren für den Erhalt des Denkmals beteiligen würden. Wer sich hierzu noch melden möchte, kann dies gerne über unsere Email-Adresse tun! ak-denkmalschutz@gmx.de
Neu aus Hamburg: Das Gänge-Viertel als Vorbild für das Moz-Areal?
50er-Jahre Denkmal in Köln: Bürgerlicher Ungehorsam zur Rettung des Schauspielhauses
Appel für die Nachkriegsarchitektur, interner Link
Flyer der befreundeten Initiative Stadtbild Würzburg über die Architektur des MOZ hier!
Immobiliengeschäfte und was Stuttgart21 mit geplanten Shoppingcentern zu tun hat: Eine Reportage von Plus Minus der ARD
Artikel zu Ludwig Martin, der die großflächigen Wandmalereien im zentralen Treppenhaus gefertig hat.